Pale Blue :POWEREDBY_black-wickelschen:
Pseudonutte

 

 Es riecht nach Rauch. Nach Schweiß und nach betrunkener Feierlaune. Nach Kiffer-Übermut.
Dumpfe, flirrende Dunkelheit spannt sich um uns rum, die Luft tanzt wie elektrisiert durch die Gegend und gedämpftes Licht malt unsere verwaschenen Schatten an die Wand.
Die Hemmungslosigkeit, die wir uns angetrunken haben, kriecht süß und verführerisch über unsere Zungen und unsere Körper, wir tauschen unsere ganz verschiedenen Auffassungen dieses Geschmacks, dieses Gefühls aus, von Zunge zu Zunge, von Körperöffnung zu Körperöffnung, und so weiter.
Da ist schweißnasse Haut unter meinen Fingern, lauter, unregelmäßiger Atem in meinem Ohr.
Ich kralle mich in feuchtem Haar fest, an einem ebenso feuchten Körper.
Der Typ heißt Lukas oder so ähnlich. Und er ist grad ganz tief in mir drin.
Ich zucke, vor und zurück. Ich atme und atme. Und atme. Zwischendurch werde ich lauter.
Der Bass dröhnt durch die angelehnte Badezimmertür, verwirrte stockbesoffene Schritte poltern vorbei. Alkohol-Paranoia. Keine Ahnung, wie spät.
Er zuckt. Er atmet und atmet. Und atmet. Zwischendurch wird er lauter.
Lauter, und lauter!
Wir sind drauf und dran, im Takt zu kommen. Seine Haut verschmilzt mit meiner, unsere Münder gehören zu unseren Hälsen, zu allen anderen Körperteilen, weiche zarte Haut, warme raue Haut – oh, beiß mich, beiß! Beiß mich, Baby, tu mir weh! – , seine Hände können nicht ohne meinen Körper, meine Titten, meinen Arsch. Sein Schwanz kann nicht ohne meine ...
Lauter. Er ist soweit. Ich merk schon.
Ja. Er kommt.

Vorbei.
 

Das Licht ist an.
Ich hänge in der Wanne wie bestellt und nicht abgeholt. Suche meine Unterwäsche zusammen.
Er pisst sich die Seele raus, zieht dann seine Hosen hoch und kramt sich eine Zigarettenschachtel aus der Tasche. Zündet sich eine an.
Wie oft hab ich das schon erlebt.
Inzwischen habe ich meinen BH gefunden, nestele nun am Verschluss herum. Es ist nicht leicht, so ein Ding anzuziehen, wenn man nicht mehr so richtig auf der Höhe ist, aber ich bin schon geübt.
Er beobachtet mich mit der Zigarette in seiner blöden Fresse.
Da fühl ich mich noch nackter, als ich eh schon bin.
Ich steige aus der Wanne, zieh mir meinen Slip an.

Er geht.
 
Auf dem Weg nach draußen stolpere ich über meine Schuhe.
Gut so, kann ich die noch mitnehmen.

Als ich nach Hause komme, schallt mir der allnächtliche Fernseherscheiß entgegen, den meine Mutter sich immer antut. Zusammen mit einer Flasche ... mit einer Flasche irgendwas halt. Hauptsache Alkohol. Aber davon hatte ich heute Nacht genug, vielen Dank. Ich gehe an ihrem Zimmer vorbei, sie merkt nichts, ist auch gut so.
Sie sollte arbeiten. Was richtiges, was ordentliches. Wenn sie nicht ständig so beschissen drauf wär, nicht ständig damit beschäftigt wär, das Leben zu hassen und sich regelmäßig in ihrem geliebten Alkohol zu ertränken, dann würde sie vielleicht endlich mal was mitkriegen, wie zum Beispiel, dass ihr Pissjob eher Nichts als Was einbringt.
So gesehen ist sie auch Schuld, dass in mir ein beschämender Hoffnungsschimmer aufflackert, als ich in meiner Handtasche die Karte finde.
Es ist Lukas’ Karte, und ich erinnere mich dunkel an den Moment, in dem ich ihn an meinen Sachen rummachen sah und leichte Angst hatte, er würde irgendwas mitgehen lassen.
Nein, stattdessen hat er mir nur was angeboten, nämlich zu poppen und dafür bezahlt zu werden. Ich weiß, dass man damit was einnehmen kann, wenn man gut ist.
Ich bin gut.
Kaum zu fassen, dass ich es wirklich in Erwägung ziehe, aber was hab ich schon zu verlieren? Meine Unschuld bestimmt nicht, und meine Würde ist auch schon lange im Nirgendwo verschollen.
Ich brauche das Geld.
Doch die Nacht ist schon zu weit fortgeschritten, und ich bin zu betrunken und zu müde, um vernünftig darüber nachzudenken. Also geh ich schlafen.

1.8.10 19:37
 


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